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Hochverehrtes Publikum, meine sehr geehrten Damen und Herren, wir grüßen Sie.
Das war kein Sommer, wie Deutschland ihn verdient hätte! Die Nation, die immer noch Exportweltmeister ist, die weltweit führend ist im Mülltrennen, die nur deshalb lediglich den fünften Rang im
Medaillenspiegel der vergangenen Friedensolympiade in Peking erreicht hat, weil unsere Sportler keine bis zur Hutkrempe mit anabolen Steroiden vollgepumpten Betrüger oder aufgeblasene Mannweiber
sind, sondern, genau wie wir, grundehrliche, bienenfleißige aber normalgebliebene Pfundskerle.
Die Statistik sagt, er (also der Sommer) sei in allen Disziplinen Durchschnitt gewesen, er habe aufgewartet mit durchschnittlicher Sonnenscheindauer, Temperatur und Niederschlagsmenge.
Das jedoch genügt uns schon lange nicht mehr. Warten wir, die Kapelle HISS, etwa auf mit durchschnittlicher Musikalität, Spielfreude und Konzertdauer? Nein, denn wir wissen, dass unsere Klientel
(also Ihr) Spitzenleistung erwartet, und das zurecht.
Der beigelegte Tourplan weist Euch den Weg zu Konzerten, bei denen Ihr diese kühne Behauptung überprüfen könnt.
Das aber ist nicht der eigentliche Grund dieses Schreibens. Vielmehr gilt es jetzt in unkontrollierten Jubel, in hemmungsloses Hosiannarufen auszubrechen, denn was keiner mehr zu hoffen gewagt hatte,
was auch die unverbesserlichsten Optimisten vorherzusagen nicht mehr die Traute hatten, wird wahr:
Eine neue HISS-CD lässt sich nun kaum mehr verhindern.
„Zeugen des Verfalls“ wird sie heißen, Hit um Hit wird sie enthalten, Lieder, die ein ums andere Mal im Konzert schon erklangen und jetzt endlich den Weg auf den Tonträger fanden,
aber auch unbekannte, kaum gespielte Werke. Einige Titel seien hier kurz genannt:
„Suppe“, „Raus“, „Das Rehlein“, „Männer in der Nacht“. Wen das nicht neugierig macht... Der 31. Oktober wird für viele ein Tag wie jeder andere sein, für Euch ist es der Höhepunkt im Kirchenjahr,
denn siehe, dies ist der Veröffentlichungstermin.
In unserem nicht zu beherrschenden Arbeitswahn, in blindem Eifer, ungeachtet aller Marktgesetze und klugen Ratschläge unserer Geschäftspartner, hauen wir dann auch noch pünktlich zum
Weihnachtsgeschäft unser großes HISS-Liederbuch „Lieder und Legenden“ raus, damit der klassisch gebildete Pianist, aber auch Hausmusikerinnen und Lagerfeuerunterhaltungsgitarristinnen endlich die
guten HISS-Lieder in ihr Repertoire aufnehmen können. Ermattet sinken wir auf unsere Fauteuils, nehmen zum Hors d oeuvre noch einen Schluck Crémant, bald ist es Zeit fürs Dîner...
Sed acta ne agamus, reliqua paremus!
Eure Kapelle HISS
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