2007, der Erste

 

Hochverehrte Leserin, geschätzter Leser, wir grüßen Sie,

endlich hat die moderne Wissenschaft eines der ältesten Probleme unserer Nation gelöst, der Winter ist abgeschafft. Kein morgendliches Herumkratzen auf vereisten Windschutzscheiben, kein Blitzeis auf deutschen Autobahnen, keine Stromausfälle und Sachbeschädigungen durch Schneebruch und Winterstürme lähmen mehr unsere prosperierende Wirtschaft. Nichts bremst uns auf dem Wege zu unseren Arbeitsplätzen, an die Schulen und Universitäten, zur Agentur für Arbeit. Und wie effektiv wir arbeiten, wenn draußen die Vögelein singen, die Braunbären ihren Winterschlaf abbrechen, wenn die Natur erwacht. Schüler lernen mit Begeisterung, wenn sie wissen, dass sie nachmittags in der warmen Sonne spielen dürfen.
Ökologisch ist das Ausbleiben des verhassten Schnees ebenfalls ein Segen: Hügel und Hänge, an denen früher Skifahrer, Rodler und Snowboarder ihr Unwesen trieben, werden geschont, die Grasnarbe erholt sich, Murmeltiere (Marmota Marmota) nicht gestresst, die Blechlawine in die Alpen und Mittelgebirge bleibt aus.
Nur einige notorische Nörgler wollen uns mit Warnungen vor eventuellen Zeckenplagen, verstärktem Pollenflug und ähnlichem die Freude am Frühling nehmen. (Das sind wahrscheinlich dieselben, die uns mit ihrer grundlosen Krittelei den Rauchgenuss vermiesen möchten, wir berichteten davon im letzten Fanbrief.)
Das aber ficht uns nicht an, wir heißen den Lenz willkommen, wir flechten Blumenkränze, tanzen über taufeuchte Wiesen, tauchen unsere Zehen in klare Bächlein, wir gehen hinaus, um in lauer Luft ein Lied zu schmettern.
Dazu haben wir auch allen Grund:
Nach harter Arbeit, langen Nächten am Schneidetisch, vielen Stunden im Kompositionszimmer ist es vollbracht. Der Film "Zur Sonne" ist fertig und wird erstmalig einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Als Vorgeschmack gibt es in Kürze einen Trailer auf unserer Homepage. Das ganze Werk könnt Ihr dann in Offenburg erstmalig ganz sehen:

"Zur Sonne" läuft als Eröffnungsfilm der Offenburger Filmtage am Sonntag, den 11. März 2007, Beginn 18.30 Uhr, im Park-Lifa-Kino-Center Offenburg in der Hildastr. 15, 77654 Offenburg, Tel. 0781/9351-0

Die Regisseure, das Team, viele Stars werden anwesend sein. Reserviert rechtzeitig, das Platzangebot im Kino ist begrenzt.

Dieses Erfolgserlebnis bremst allerdings mitnichten unseren Tatendrang. Wie gewohnt machen wir uns auf den Weg zu Euch, liebe Freunde, um zu Eurer Erbauung aufzuspielen. Davon zeugt der beigefügte Tourplan. Und jetzt müssen wir Euch Eurem Tagewerk überlassen, so wie wir uns um das unsere kümmern müssen.

Profecto enim vita vigilia est

Eure Kapelle HISS

 

 

 

 

2007, der Zweite

 

Geschätzte Kundinnen und Kunden, hochverehrtes Fachpublikum, liebe Freunde,

es besteht Anlass zur Sorge, der Ruf unserer weltweit so beliebten Nation ist in Gefahr. Was die heimische Automobilindustrie, unsere Politiker, Wurstfabrikanten, Trümmerfrauen, Käsereien und Brauereien über Jahrzehnte an Ansehen für unser Land erarbeitet haben, droht den Bach runter zu gehen.
Schuld hat - die Jugend.
"Komatrinken" und "Flatratesaufen" sind Begriffe, die bereits häufiger in Berichten ausländischer Presseorgane zu lesen waren. Über die Grenzen hinweg herrscht blankes Entsetzen angesichts sternhagelvoller, taumelnder, lallender Jugendlicher, die ohne daran zu denken, dass sie die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, dass sie einer Tradition des Dichtens und Denkens verpflichtet sind, die Fußgängerzonen vollreihern.
Die Welt schaut ungläubig auf unser Land, das als Heimat des maßvollen Trinkens, des Genusses galt. Unsere Staatslenker reiben sich verwundert die Augen, niemals hätten sie gedacht, dass sich unsere Jugend gebärdet wie Schweden, Russen oder Briten. Aber nicht nur der gute Leumund Deutschlands in der Welt leidet, es geht um mehr: wer maßlos mehr trinkt als er verträgt, wer sich im Zustande der Volltrunkenheit in der Öffentlichkeit zeigt, wer der Kontrolle über seine Körperfunktionen verlustig geht, der schadet auch dem Rufe all jener Genusstrinker, die anständig ihr Feierabendbier trinken, die einen guten Geschäftsabschluss mit einem Chateau Lafitte feiern, die zur Vermählung ihrer Kinder mit einem schönen Glas Prosecco anstoßen, die ihren Gästen einen liebevoll zubereiteten Irish Coffee kredenzen, die die Deutsche Fußballmeisterschaft (verdient vom VfB Stuttgart errungen) mit ihren Freunden begießen, die das morgendliche Zittern ihrer Hände mit einem Chantré vom Kiosk an der Ecke bekämpfen möchten.
Schon ziehen übereifrige Politiker in blindem Aktionismus Preiserhöhungen, sogar Alkoholverbote in Erwägung. Lassen wir nicht zu, dass einige wenige schwarze Schafe ein jahrtausendealtes Kulturgut wie den Alkohol in Verruf bringen. Wir müssen zeigen, dass der Rausch eine schöne Sache sein kann, wenn man richtig damit umgeht.
Vor allem aber: Alkohol darf nicht teurer werden.
Sobald wir wieder einigermaßen nüchtern sind, machen wir uns auf den Weg, um einen Konzertsaal in Eurer Nähe aufzusuchen.

Nihil aliud est ebrietas quam voluntaria sanitas.

Eure Kapelle HISS

 

 

 

 

2007, der Dritte

 

Gott zum Gruße, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

rasend schnell ging dieser Jahrhundertsommer zu Ende, der auch den letzten Skeptikern bewiesen hat, dass der Klimawandel nicht nur droht, sondern dass er bereits begonnen hat. Selten so geschwitzt, selten so dehydriert gewesen nach der harten Arbeit, die so ein Auftritt für uns
bedeutet.
Jetzt aber hoffen wir auf einen kurzen kühlen Herbst vor einem langen schneereichen Winter, wir hoffen auf Wetterbedingungen, die auch die Abgehärtetsten unter Euch in die beheizten Konzertsäle treibt, nachdem sie die Einfahrten zu ihren Garagen enteist, die Gehsteige und Zugänge zu ihren Grundstücken vom Schnee befreit und so für ihren freundlichen Postzusteller passierbar gemacht haben. (Wer freilich die wichtigste Post, unseren Fanbrief nämlich, per E-Mail erhält, kann sich diese kräftezehrende und erniedrigende Arbeit an der sogenannten frischen Luft sparen.)

Sprechen wir aber nicht länger vom Wetter, sprechen wir von den Problemen unserer Gesellschaft. Sie ist zerfressen von Gier nach Geld, nach Macht, nach Rausch und nach Sex. Sie wird ausgehöhlt durch Egoismus, Indolenz, Indifferenz und dem Mangel an Altruismus. Sie ist gefährdet durch Feinde im Inneren und von Außen. Sie ist geschwächt durch Korruption und Nepotismus. Sie wird bedroht durch das organisierte Verbrechen und den Totalitarismus. Sie leidet unter dem Regiment des Mittelmaßes, der Kulturlosigkeit, der geistigen Armut. Ungerechtigkeit, soziale Kälte, der Höhenflug des Euro, der steigende Ölpreis, die Probleme an den Rohstoffmärkten, die Finanzkrise in den USA, der Rücktritt Stoibers, der misslungene Neubeginn im Radsport bei der diesjährigen WM, Jugendkriminalität, von Gesundheitsstalinisten initiierte Rauchverbote in Bars und Restaurants, Feinstaubbelastung und Hopfenknappheit haben uns tief verunsichert. Es ist fünf vor zwölf, es ist höchste Zeit etwas zu tun:

Beispielsweise bietet es sich an, am 25. Oktober nach 79078 Freiburg zu pilgern, um dort im
Apollo 1, Friedrichsbau Lichtspiele,
Kaiser-Joseph-Straße 268 – 270,
Tel: 0761 - 360 31,
Fax: 0761 - 383 417,
E-Mail: kontakt@friedrichsbau-kino.de,
den Ausnahmefilm "Zur Sonne" anzuschauen, bei dem (wir berichteten) die Kapelle HISS mitwirkte.

Wahlweise ist es auch erlaubt, sich im Ohrensessel zurückzulehnen, sich bei einem guten Glas Wein und bei Musik zu entspannen und sich so vorzubereiten für den harten Kampf gegen all die Probleme, der gleich morgen beginnen soll.
Mit dem guten Gefühl, Euch mal wieder so richtig aufgerüttelt zu haben, verbleiben wir hochachtungsvoll,

Eure Kapelle HISS

Non est ad astra mollis e terris via