2006, der Erste

 

Hochverehrte Geschäftsfreunde, liebe Kundinnen und Kunden,

nie war Weihnachten so schrecklich wie im vergangenen Jahr, kam es doch außer zu den für diese Zeit üblichen familiären Zerwürfnissen, den Gewichtsproblemen und dem Fernsehprogramm zu schockierenden Szenen unter dem Christbaum:
Kinder, Jugendliche und Erwachsene warfen sich vor Wut und Trauer zitternd und weinend auf den Boden, schluchzten und schrieen, verfluchten den Nikolaus und das Christkind, sagten sich von ihren Eltern, Ehegatten und Nachkommen los, drohten mit Gewalt, mit Selbstverstümmelung und Suizid.
Der Grund: Alle hatten fest damit gerechnet, die lange angekündigte und sehnsüchtig erwartete DVD ihrer Lieblingskapelle als Geschenk zu bekommen. Die Enttäuschung war groß, der entstandene Schaden enorm.
Wir zeigen uns entsprechend zerknirscht, neigen unsere Häupter und bekennen: Ja, wir sind schuldig geworden. Es tut uns leid um Eure Familien, um den Frieden auf dieser Welt, um Eure körperliche Unversehrtheit.
Wir werfen uns vor Euch in den Schmutz und erflehen Eure Vergebung.
Andererseits solltet Ihr uns dankbar sein, dass wir überhaupt einen Konzertmitschnitt veröffentlichen, erspart er Euch doch den lästigen Weg in ein HISS-Konzert. Statt viele Kilometer durch Eis und Schnee zurücklegen zu müssen, könnt Ihr Euch die Show jetzt in Trainingshosen fett aufm Sofa liegend reinziehen.
Denn die Jubiläums-DVD zum Zehnjährigen ist da! Geht hinaus und ruft es Euren Mitmenschen zu, verbreitet die frohe Botschaft, vor allem aber

gehet hin und kauft!

Ab 10. Februar gibt es DVD und CD im Handel (Vertrieb durch Edel Contraire). In unserem Shop und auf Konzerten könnt Ihr Euren Bedarf jetzt schon decken.
Solltet Ihr zu der gesellschaftlichen Randgruppe gehören, die sich gerne in Schale wirft und auf den Weg macht, um ein musikalisches Feuerwerk vor Ort zu erleben, zu tanzen und nette Leute zu treffen, könnte Euch unser Tourplan interessieren.
Damit möchten wir schließen, es wartet Arbeit auf uns.

Solitudinem faciunt, pacem appellant.

Eure Kapelle HISS

 

 

 

2006, der Zweite

 

Grüß Euch Gott, liebe Wanderfreunde, liebe Naturliebhaberinnen,

es ist höchste Zeit, Brotzeit und Feldflasche in den Rucksack zu packen, die Kniebundhosen anzuziehen, die Wanderschuhe zu schnüren, mit Wegekarte des Schwarzwaldvereins und Fahrtenmesser loszuziehen, um unser schönes deutsches Heimatland zu Fuß kennenzulernen. Es gibt da so viele majestätische Höhenzüge und grüne Talauen, so viele dunkle Wälder und würdevoll einherfließende Ströme zu schauen, es gibt da so viel frische unverbrauchte Landluft zu atmen, so viele geschäftige Bauersleut bei der Arbeit zu beobachten, dass es fürs Gemüt des Großstädters ein Segen ist.
Darüber hinaus wartet der ländliche Raum mit manch hübschem Gewerbegebiet auf, das zum Verweilen und zum Bummeln einlädt.
Jetzt im Mai wollen wir nicht länger der Indolenz und der Trägheit frönen, stattdessen wollen wir uns ertüchtigen, wollen wir uns draußen in der Natur wieder spüren, wollen wir auf markierten Wanderwegen und auf dem Trimm-dich-Pfad fühlen, dass wir Teil der Schöpfung sind.
Feiern wir also den Frühling, das Erwachen der Natur und der Triebe, am besten beim anschließenden schönen Pils oder Cola-Weizen in einer zünftig zugerauchten Schankwirtschaft am Ende des Weges.
Die Kapelle Euerer Herzen hält es zu Hause auch nicht mehr aus, uns treibt es durch die blühenden Landschaften unserer Republik, Bundesautobahnen und Regionalstraßen müssen befahren sein, das ist unser Auftrag, das ist unser Pläsier.
Wo wir unterwegs anhalten, wo wir zu Gast bei Freunden sein werden, könnt Ihr dem beigefügten Tourplan entnehmen.

Immer wieder erreichen uns Anfragen neugieriger Fans, wann denn der Film, an dem mitzuwirken wir die Ehre und das Vergnügen hatten, endlich endlich zu sehen sei. Immer wieder haben wir die traurige Pflicht, diesen Menschen zu erklären, was wir auch an dieser Stelle erklären:
Wer glaubte, Aufnahme, Herstellung und Veröffentlichung einer CD zögen sich schon ewig hin, stellten die Geduld schon auf eine harte Probe, sieht sich angesichts des Zeitraums vom Beginn der Dreharbeiten bis zur endgültigen Fertigstellung des Filmes mit einer Zeitspanne von unfassbarem Ausmaß konfrontiert.
Im Augenblick sitzen die Regisseure am Schneidetisch beim Feinschnitt, dann wird die noch fehlende Musik draufgenagelt, dann folgt die Bewerbung zu Filmfestivals... . Den tatsächlichen Veröffentlichungstermin wissen die Götter.
Sobald auch wir eine Ahnung haben, wann es soweit ist, dass auch Sterbliche das Werk sehen können, teilen wir Euch dies selbstverständlich mit.

Tu age tuam rem: occasiost.

Eure Kapelle HISS

 

 

 

2006, der Dritte

 

Hochverehrte Leserschaft, Freundinnen der leichten Muse, Kenner echter Kunst,

mit tiefer Besorgnis müssen wir, die wir aufmerksame Beobachter, ja gewissermaßen Seismographen gesellschaftlicher Entwicklungen sind, Alarmierendes beobachten: Immer weniger Menschen rauchen. Dort wo früher in geselliger Runde gepafft, inhaliert, gedampft, gequalmt wurde, dort wo offene Zigarettenschachteln herumgereicht wurden, wo Tabakdosen kreisten, Pfeifchen gestopft wurden, wo sich monströse Stammtischaschenbecher in kurzer Zeit lustig füllten, wo geplaudert wurde, wo sich Geschichten erzählt wurden, dort wo Freundschaften fürs Leben entstanden sind und vertieft wurden, herrscht jetzt Abstinenz.
Graugesichtige, tief unglückliche Menschen sitzen nun nur noch deshalb schweigend um Tische herum, weil sie Angst davor haben, zu ihrem Gatten, zu ihrer Gattin nach Hause zu gehen. Denn auch dort dominiert dieses lähmende Gefühl dumpfer Depression, das Nichtrauchern das Leben so schwer macht.
Und dabei ist es in den meisten Fällen ein selbstgewähltes Schicksal!
Sei es die Propaganda korrupter Gesundheitspolitiker, der Rat unfähiger Mediziner, Horrormeldungen der Boulevardblätter, das dumme Geschwätz sogenannter Freunde oder gar eigene Überlegungen, die zu dem unsinnigen Schritt, das Rauchen aufzugeben, verleitet haben, Unzufriedenheit ist die Folge, die Lebensfreude perdu. Angebliche Risiken wie Lungenkrebs und Emphysem, Impotenz und Infertilität, Herzinfarkt und Arteriosklerose, Parodontose und vorzeitige Hautalterung sind doch für etwas Freude am Dasein kein zu hoher Preis.
Darüber hinaus gibt es auch sozialpolitisch kein stichhaltiges Argument gegen den Tabakgenuss. Angenommen, das Rauchen verkürzte das Leben tatsächlich, sollte es in einer von Überalterung bedrohten Gesellschaft nicht nur empfohlen, sondern für alle verbindlich vorgeschrieben werden. Das wäre dann ein wichtiger Schritt gegen die unnatürliche Steigerung der durchschnittlichen Lebenserwartung und damit gegen die Rentenmisere. Stattdessen wird mittlerweile ein Rauchverbot in sämtlichen öffentlichen Räumen, sogar in Kneipen, Bars und Gaststätten erwogen. Was für ein bodenloser Unsinn, was für ein verdammenswerter gesellschaftlicher Irrweg!
Lehnen wir uns auf. Massenkundgebungen, Generalstreik, Straßenkampf wären angemessene Reaktionen.
Eine positive Nachricht zum Schluss: Der Alkoholkonsum bei Jugendlichen ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen.

Bonae valetudinis quasi quaedam mater est frugalitas, liebe Leserinnen und Leser.

Eure Kapelle HISS

P.S. Während seines Aufenthalts in der Entzugsklinik hat Herr Hiss noch etwas Zeit gefunden, mit seinem rauchenden Freund Herrn Groher, eine neue "Los Gigantes"-CD aufzunehmen. Diesen Herbst noch soll sie veröffentlicht werden.