Der Richter und ich

Gespräch zwischen Richter Holger von Rechtsnot und mir (rein fiktiv).

 

Herwig (H): Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen mir einige Fragen zu beantworten, Herr Richter.

Richter (R): Kein Problem. Wir haben gerade Verhandlungspause und da hab ich schon etwas Zeit.

(H): Müssen Sie denn da nicht mit Ihren Richterkollegen den Fall diskutieren?

(R): Die kommen auch ohne mich klar. Außerdem ist der Fall so eindeutig, dass keinerlei Zweifel bestehen. Auch ein Gläschen?

(H): Nein Danke, so früh am Morgen kann ich noch nicht auf was alkoholisches.

(R): Stört es Sie, wenn ich...?

(H): Nein, nein, nur zu!

(R): Ahhh, der war nötig. So, jetzt: Wie kann ich Ihnen denn nun helfen?

(H): Wenn Sie den Begriff Rechtsprechung umschreiben sollten, wie würden Sie das tun?

(R): Das ist ganz einfach: Was ich als Richter sage ist Recht.

(H): Und was macht Sie da so sicher?

(R): Das ist doch klar: Ich halte mich strikt an die Gesetzestexte. Dann kann ich sicher sein, dass mir keiner an den Karren fahren kann.

(H): Das ist natürlich wichtig, klar. Schließlich will man ja nicht anecken und auch morgen noch Richter sein.

(R): Jetz mal halblang Bursch! Ich tu hier täglich meine Pflicht und halte mich an das was mir möglich ist. Willst Du mir das etwa zum Vorwurf machen?

(H): Also Sie dürfen mich gerne Dutzen, Herr Richter. Das nur nebenbei. Ich frage mich lediglich ob die Urteile, die Sie täglich sprechen sich mit Ihrer eigenen Vorstellung von Gerechtigkeit decken.

(R): Jetzt fang mir nur nicht mit Gerechtigkeit und sowas an. Wir sind hier am Gericht und nicht in der Kirche! Es steht nirgends geschrieben, dass mein Richterspruch auch gerecht sein muß. Er muß nur dem Gesetz entsprechen.

(H): Und ich dachte immer...

(R): Er dachte!... Laß mich mal raten: Du dachtest immer, dass vor Gericht ein gerechtes Urteil gesprochen werden soll, richtig?

(H): Ja, in etwa sowas habe ich mir früher mal vorgestellt.

(R): Merk Dir mal fürs Leben.  Das erste was ich beim Studium damals schnell bemerkte: Die universelle Gerechtigkeit gibts nicht. Und bei mir im Gerichtssaal schon gar nicht...höchstens mal aus Zufall. Kann passieren.

(H): Demnach ist es tatsächlich schon mal geschehen, dass Sie ein Urteil sprachen, dass auch privat Ihren Vorstellungen von Gerechtigkeit entsprach?

(R): Ja neeee is klar, aber das ist höchst selten... Nicht doch einen kleinen?

(H): Nein, keinen Alkohol bitte. Das bedeutet aber, dass Sie sehr Wohl einen Unterschied sehen zwischen dem was Sie im Beruf als Richter tun, und dem was Sie persönlich empfinden ?!

(R): Für Gefühlsduselei ist in dem Beruf kein Platz. Einfach Job machen und fertig.

(H): Und das macht Ihnen Spass?

(R): Ich verdiene ordentlich, hab ein geregeltes Leben...das reicht mir als Motivation. Man muß einfach trennen können zwischen Privat- und Berufsleben.

(H): Schön für Sie, dass Sie das trennen können. Sie legen demnach morgens, wenn Sie Ihre Robe anziehen gleichzeitig Ihr Gewissen ab?

(R): Anders gehts nicht. Wie könnte ich den Job weiter machen, wenn ich die Urteile, die ich als Richter spreche vor meinem Gewissen verantworten müßte? Eine völlige Unmöglichkeit!

(H): Es freut mich zu hören, dass Sie außerhalb Ihres Berufes eine andere Einstellung zur Rechtsprechung haben. Ein anderes Rechtsgefühl.

Ich bedanke mich für das Gespräch und möchte Sie bitten sich nochmal abschließend zum Thema zu äußern.

(R): War mir ein Vergnügen. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich den Beitrag auf Ihrer privaten Homepage gelesen habe. "Unser gutes Recht" oder so... Im Kern sprechen Sie da schon ein paar Dinge an über die man nachdenken müßte. Aber warum machen Sie das überhaupt? Glauben Sie damit irgendwas zu bewirken?

(H): Das freut mich aber, dass Sie die Seite gelesen haben! Verfasst habe ich das nur um es mir von der Seele zu schreiben und vielleicht doch den einen oder anderen Leser, der sich mal auf die Seite verirrt, zum Nachdenken zu bringen. Außerdem war ich etwas in der Art meiner Schwester schuldig, deren Mörder bereits wieder auf freiem Fuß ist.

(R): Na schön, für mehr ist das aber auch wirklich nicht gut. Aber immerhin eine ehrenwerte Absicht...Darauf trink ich noch einen. Zum Wohl!

(H): Auf Ihr Spezielles, Herr Richter. Und möge ihr heutiges Urteil nicht nur dem Gesetz entsprechen....sondern auch gerecht sein!

 

Ende.