Unser Erdklima im Wandel

(verfasst im Oktober 2007 / Eigenes Gedankengut:)

Was für ein Thema.
Was für ein umfangreiches Thema!
Und wer soll das eigentlich lesen?

Das waren so einige der Fragen, die ich mir stellte bevor ich mit mir einig war, dass ich es auch für mich selbst mache. Ich habe in Bezug auf dieses weltbewegende Thema so viele Dinge im Kopf die ich vermitteln möchte, dass ich mir sicher bin, letztendlich nicht alles zu meiner Zufriedenheit ansprechen zu können.
Aber ich will es mal versuchen.

Zur Einführung schaut euch bitte erst einmal folgenden Film an.

Parasit Mensch:

YouTube-Video
Das sprichwörtlich heiße Thema der globalen Erwärmung geht uns alle an.
Um euch mal zu verdeutlichen, wie ernst die Situation sich darstellt muss ich hier auch ein paar Zahlen aufführen.

Die Fakten

An die Skeptiker gleich eines vorweg:
Es gilt inzwischen laut viertem IPCC (Zwischenstaatlicher UN-Ausschuss zum Klimawandel) Klimabericht als sicher, dass der durch die Menschen verursachte Anstieg der Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre hauptverantwortlich ist für die globale Erwärmung.
Klartext: Wir (Du und ich) sind schuld.

Vergleicht man über einen länger zurückliegenden Zeitraum wird besonders deutlich, dass ab etwa 1900 die Temperatur deutlich ansteigt.
Auf dieser Grafik gut zu erkennen.
Das bekannte Treibhausgas CO2 ist neben Methan, Lachgas, perfluorierten Kohlenwasserstoffen, halogenierten Fluorkohlenwasserstoffen und Schwefelhexafluorid der Hauptverursacher des Treibhauseffekts. Gegenüber der vorindustriellen Konzentration etwa um 1850 von 280 ppm lag der CO2-Wert im Jahr 2006 bereits bei erstaunlichen 380 ppm. (1 ppm = 1 Tausendstel Promill)

Bemerkenswert und auffällig ist für Jedermann, der o.g. Grafik betrachtet, dass  in den letzten 1000 Jahren noch niemals ein derartiger Anstieg zu verzeichnen war.
Mit Beginn der Industrialisierung begann die Treibhausgas-Konzentration (vor allem Kohlendioxyd CO2) in der Atmosphäre zu steigen. Synchron dazu startete auch der im Verhältnis zum Alter der Erde rapide Anstieg der Temperatur, der niemals zuvor stattgefunden hat!
Die Erderwärmung ist eine Folge des Anstiegs der durch den Menschen verursachten Treibhausgaskonzentration.
Klartext: Leugnen nützt nichts. Die Fakten sprechen für sich.

2°Celsius

Es ist wichtig zu wissen, dass der Wert von 2°C ein sogenannter Schwellenwert ist. Es bedeutet, dass das globale Klima kippen wird, sollte es soweit kommen, dass die globale Durchschnittstemperatur um 2°C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter ansteigt. Es werden dann Prozesse in Gang gesetzt, die nicht mehr aufzuhalten sind. Der aktuelle Stand liegt bei +1°C, wie man auch unschwer an der Grafik erkennen kann.

Der CO2-Grenzwert, der nicht überschritten werden darf um dieses Szenario zu verhindern liegt bei 450 ppm (die EU legt diesen Wert höher an mit 490 ppm).

Zur Zeit liegt der aktuelle Anstieg pro Jahr bei 3 ppm. (Vor 50 Jahren betrug der Anstieg noch 1 ppm pro Jahr).

Die Schwelle von 490 ppm wird nach aktuellen Prognosen etwa 2020 erreicht.

Klartext: Wenn also alles so weiterläuft wie bisher haben wir bald den "Point of no Return" erreicht. Dann können wir nichts mehr tun. Gar nichts.

Die Auswirkungen

Die Folgen der Erderwärmung werden sich nicht erst bei Erreichen des Schwellenwertes zeigen. Heute schon bekommen wir die Quittung für unser unüberlegtes Handeln.
Die Verdunstung von Wasser nimmt zu. Der Wasserdampf in der Atmosphäre verstärkt wiederum den Treibhauseffekt. Es kommt zu häufigeren und stärkeren Unwettern. Die Gletscher und Polkappen schmelzen, wodurch der Meeresspiegel erhöht wird, was eine Gefährdung der Küstenregionen bedeutet. Klimazonen verschieben sich und gefährden die Landwirtschaft sowie die Lebensbedingungen für Flora und Fauna.
Wir alle kennen die Nachrichten von extremen Überschwemmungen, Stürmen, Lawinen und anderen immer häufiger auftretenden außergewöhnlichen Umweltereignisse.
Ich will hier ja nicht mit dem Sargdeckel klappern und über Gebühr Angst machen, aber verharmlosen sollten wir diese deutlichen Folgen unseres Handelns auch nicht

Gletscher damals und heute

Das Ziel

Im sogenannten Kyoto-Protokoll haben sich die EU-15 Staaten (141 Länder)verpflichtet, ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2012 um 8% gegenüber 1990 im Durchschnitt zu reduzieren.
Die Vorgabe für Deutschland als einer der größten Sünder beträgt dabei eine Reduktion um 21% bis 2010.
Das sind übrigens dann immer noch 801.000.000 Tonnen CO2  (801 Mio. Tonnen!) jährlich, die alleine Deutschland ausstößt.
Leider reicht dieses Ziel, selbst wenn es erreicht werden sollte nicht aus um die globale Erwärmung hinreichend zu bremsen.

Es ist erforderlich, dass jeder einzelne Mensch in seinem persönlichen Bereich etwas tut!

Selber handeln

Um selbst erst einmal festzustellen, was ihr persönlich zur Erderwärmung beitragt solltet ihr diesen CO2-Rechner aufrufen. Er gibt Auskunft über euren persönlichen Energieverbrauch bzw. die von euch persönlich erzeugten CO2-Emissionen.

Ihr werdet feststellen, dass ihr ganz erheblich über dem seitens der Wissenschaft gerade noch als akzeptabel angesehenen Wert von 2,5 Tonnen pro Jahr liegt.

Ebenso könnt ihr die von euch angegebenen Werte mal verändern und so herausfinden, in wie weit sich eine Änderung eures Verhaltens auf euren CO2-Verbrauch auswirkt.

Äußerst aufschlußreich und meiner Ansicht nach erschreckend, wieviel jeder Einzelne von uns tun muss um eine ausreichende Senkung des persönlichen CO2-Ausstoßes zu erzielen und damit dem Klima-Schicksal Einhalt zu gebieten.

Ignoranz

Immerhin:
Wir haben Fakten, die belegen dass wir einen zu hohen Treibhausgas-Ausstoß verursachen, der wiederum unwiderruflich dazu führen wird, dass starke negative globale Veränderungen auftreten werden, teilweise sogar bereits stattfinden.
Wir wissen auch, dass jeder einzelne von uns durch Änderung des persönlichen Verhaltens entscheidend dazu beitragen kann, diese bedrohliche Entwicklung zumindest abzubremsen, im besten Fall sogar zu stoppen.

Und trotzdem lebt die Masse der Menschen, mich eingeschlossen, so weiter wie bisher.
Wie kommt das eigentlich?
Warum ignorieren wir sämtliche Warnungen und Anzeichen der drohenden Katastrophe?

Der Mensch ist doof

Ein wenig drastisch ist die Überschrift ja schon, zugegeben.
Aber auf seine ganz eigene Art ist der Mensch wirklich nicht überlebensfähig.

Wir Menschen leben in einem System. Ein System, das wir von Geburt an kennenlernen und das uns die Werte dieser Gesellschaft lehrt. Seit der Industrialisierung haben sich allerdings die Grundwerte verändert. Konsum ist zu einem wesentlichen Bestandteil des Lebens(-glücks) geworden.
Industrie und Handel diktieren täglich was wir brauchen. Es werden geschickt materielle Wünsche erzeugt. Ich will, ich brauche, ich habe.
Das Haben ist wichtiger geworden als das Sein.
Für das System ist schon lange nicht mehr wichtig was gut für den Menschen ist, sondern was gut für das Wachstum des Systems ist.
Umweltschutz ist ein Kostenfaktor und somit kontraproduktiv, wird also von der Industrie nur auf minimaler Sparflamme praktiziert. Gerade mal so, dass der Konsument einigermaßen beruhigt ist, keine unbequemen Fragen stellt und vor allem konsumiert!

Und als Teil dieses Systems ist es am einfachsten sich einzufügen. Zu funktionieren, im Sinne von dem System dienen.

Unser Wirtschaftssystem beruht dabei wie gesagt auf Wachstum und Konsum. Wachstum bedingt Konsum, und zwar steigenden Konsum. Das wiederum hat steigende Produktion und somit erhöhten Schadstoffausstoß zur Folge.

Damit immer mehr konsumiert wird hämmert man dem Volk ein:

Haben ist wichtig. Nur wer hat, ist auch was. 

Was hat das nun mit dem Klimawandel zu tun und warum ignorieren wir eigentlich offensichtliche Anzeichen einer drohenden Katastrophe?
Wie kann es sein, dass der stärkste Instinkt des Menschen, der Selbsterhaltungstrieb, nicht mehr richtig funktioniert?

Einerseits verstehen es Politiker mit vielem was sie tun den Menschen zu suggerieren, dass sie wirksame Massnahmen gegen die drohende Katastrophe ergriffen haben. So entsteht oft der Eindruck, dass Probleme erkannt wurden und etwas dagegen unternommen wird.
Ein weiterer Grund liegt wohl darin, dass jeder einzelne die sich abzeichnende Katastrophe, die ja noch in weiterer Ferne liegt, den Opfern vorzieht, die er jetzt bringen müßte.
Als Beispiel seien nur die genannt, die lieber ihr Leben riskieren, als sich beim Arzt untersuchen zu lassen, da die Diagnose eine ernste Erkrankung oder eine nötige OP ergeben könnte. Das ist nicht mal selten.
Schließlich sieht auch kaum jemand eine Notwendigkeit darin, das gegenwärtige Gesellschaftsmodell anzuzweifeln oder zu ändern. Wie oben beschrieben fügen wir uns in das vorhandene System ein.

Um eine so komplexe Katastrophe wie den Klimawandel abzuwenden bedarf es aber eines fundamentalen Wandels der menschlichen Grundwerte und Einstellungen...vor allem zur Natur.

Schaffen wir es?

derherwig zweifelt

Ich würde gerne glauben, dass wir es schaffen können uns grundlegend zu ändern. Nur so könnten wir aus Überzeugung und Einsicht wirkungsvolle Massnahmen ergreifen, die eine Katastrophe verhindern.

Aber ich will ehrlich sein:

Ich glaube absolut nicht daran. Und zwar aus verschiedenen Gründen.

Einer dieser Gründe bin ich selbst.


Denn obwohl ich diese Zeilen hier geschrieben habe, obwohl ich viele Publikationen, Tabellen und Zahlen zu dem Thema gelesen habe, obwohl ich verstanden habe wie sehr das Klima auf unserem Planeten auch von meinem persönlichen Verhalten abhängt, obwohl ich laut CO2-Rechner 11 Tonnen CO2 pro Jahr produziere (also 8,5 t zuviel) habe ich noch nicht den ausreichenden Willen mein Verhalten grundlegend zu verändern.

Gewohnheit, Bequemlichkeit und Verdrängung sind hier unter anderem verantwortlich. Und natürlich diese besagte Grundeinstellung: Ich bin noch zu sehr im System gefangen und noch nicht in der Lage meine Einstellung zu vielen Dingen, so auch zur Natur, grundlegend zu erneuern.

Solange ich das nicht schaffe, werde ich auch weiterhin mit schuldig sein am erhöhten CO2-Ausstoß, am Temperaturanstieg und schließlich an den katastrophalen Folgen für uns alle.


Und deshalb glaube ich nicht dass profitgierige Industriebosse oder machthungrige Politiker besser sind als ich. Bei denen spielen noch ganz andere, höchst egoistische, Gründe eine Rolle, warum sie sich niemals für ein umweltorientiertes Wirtschaftssystem einsetzen werden. Aber das ist ein anderes umfangreiches Thema.

Es ist wie von mir befürchtet so, dass ich bei weitem nicht alles angesprochen habe was mir durch den Kopf geht. Das hat aber den Vorteil, dass ihr schneller fertiggelesen habt.

Als abschließenden Klartext möchte ich folgendes anmerken:

Wir Menschen haben uns ein System von Abhängigkeiten geschaffen aus dem wir uns nicht mehr lösen wollen (und auch nur schwer könnten) und sind deshalb nicht in der Lage selbst in Gang gesetzte Prozesse wieder zu stoppen. Wir sind Gefangene unseres eigenen Systems.


Vielleicht bleibt uns doch nur diese eine Lösung:

Schafft riesige Eiswürfel heran und versenkt sie zur Abkühlung der Atmosphäre im Meer ;)

 

In diesem Sinne auf ein angenehmes Überleben

 

derherwig

 

 

Link-Tipp

Wer an einer übersichtlichen, kurzen Zusammenstellung der Fakten und möglichen Folgen Interesse hat möge sich mal hier hin begeben.

 

 

Film-Tipp

DVD


Eine unbequeme Wahrheit


von Al Gore


Klickt auf das Bild um zur Webseite der Doku zu gelangen.

 

Hier könnt ihr den Film kaufen (amazon.de).

Auch wer Al Gore nicht mag sollte den Film anschauen.